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Am heutigen Freitag wurden die vier erneuerten Holzkreuze für die Kriegsopfer auf dem Altenröder Friedhof wieder aufgestellt.
© Kathleen Behrens 

Gedenken an Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft

...auf dem „Altenröder Friedhof“ in Darlingerode

Am Freitag wurden die vier erneuerten Holzkreuze für die Kriegsopfer auf dem Altenröder Friedhof wieder aufgestellt.

Sie erinnern an vier dort bestattete Kriegsopfer, davon zwei Soldaten, die beim Einmarsch der Amerikaner am 11. April 1945 dort gefallen sind.

Einen Drübecker, der im Lazarett verstorben war, sowie eine polnische Fremdarbeiterin, die auf einem Hof gearbeitet hatte und an einer Krankheit verstorben sein soll.



Was die letzten Kriegstage in Darlingerode und Umgebung geschah:

Auszug aus dem Buch „Ein Dorf im Spiegel der Jahrhunderte“ von Heinz Flohr

8. April 1945 Ein anglo-amerikanischer Bomberverband von etwa 200 Flugzeugen legte um 12.00 Uhr Halberstadt in Schutt und Asche. Die Stadt brannte 3 Tage und 3 Nächte.

9. April 1945 Den ganzen Tag über passierten deutsche Truppenteile, in vollständiger Auflösung begriffen, in Richtung Osten den Ort

10. April 1945 Der Volkssturm hob am Hungerbach Maschinengewehrstände aus. Nur etwa 50 Prozent der Volkssturmleute waren dem Einsatzbefehl gefolgt. Um 18.00 Uhr flog mit ohrenbetäubendem Lärme die „Muna“ (großes Munitionslager) bei Stapelburg in die Luft. In Darlingerode sprangen vom Luftdruck Fenster und Türen auf. Einige Scheiben zerbarsten.

11. April 1945 Die in Darlingerode einquartierten deutschen Truppen verließen fluchtartig, unter Zurücklassung des schweren Gepäcks, den Ort in Richtung Wernigerode. Mittags wurde Panzeralarm gegeben. Eine Truppe deutscher Soldaten schanzte sich am Amtsgarten ein. Die weißen Emailleschilder der NSDAP-Dienststellen waren von den Haus- und Hoftüren verschwunden. Amerikanische Panzer rückten von Drübeck heran. Sie beschossen den Ortsteil Altenrode, die Domäne, die Mühle und den Amtsgarten. Einige Gebäude brannten. Ein amerikanischer Hubschrauber griff in das Gefecht ein, das bis gegen 17.00 Uhr anhielt, dann zogen sich die deutschen Truppen über die „Lange Hecke“ zum Eisenberg zurück. Amerikanische Einheiten besetzten das Dorf. Im Ortsteil Altenrode hatten inzwischen viele Anwohner weiße Flaggen gehisst. Das Gefecht kostete noch drei sinnlose Todesopfer; zwei deutsche Soldaten und ein amerikanischer Soldat waren gefallen. Der Einwohner Friedrich Bodenstein erhielt auf dem Hof seines Grundstücks einen Oberschenkelschuß und wurde ins Krankenhaus nach Wernigerode eingeliefert. Am Abend mussten alle Waffen beim Bürgermeister Ernst Günter abgeliefert werden. Die in den Wald geflüchteten Einwohner kehrten zögernd mit ihren Handwagen, Pferde- und Kuhgespannen zurück in den Ort.

13. – 20. April 1945 Im Harz tobten noch immer schwere Kämpfe. Während die englischen und amerikanischen Truppen das Gebirge eingeschlossen hatten, hielten sich in den Wäldern noch zahlreiche deutsche Truppen auf. Es handelte sich überwiegend um die Reste faschistischer Sondereinheiten und SS-Verbände, die in der 11. Armee unter Führung von General Walter Lucht zusammengefasst waren und entsprechend dem Führerbefehl, wohl aber noch mehr aus Angst vor ihrem persönlichen Schicksal, erbitterten Widerstand leisteten. Die Besatzung wurde verstärkt, da man einen Ausfall der deutschen Truppen befürchtete.

14. April 1945 Der amerikanische Ortskommandant ordnete Ausgangssperre an. Nur in der Zeit von 9.00 bis 12.00 Uhr durften die Häuser verlassen werden. Die Bauern erhielten zur Feldbestellung einen Passierschein von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang.

18. – 19. April 1945 Amerikanische schwere Artillerie beschoss vom Bahnhof Drübeck aus den Brocken, das Mühlental oberhalb von Wernigerode und Elbingerode.

20. April 1945 Blankenburg wurde von den amerikanischen Truppen besetzt. Nachdem sich am gleichen Tage 70.000 Mann der 11. deutschen Armee im Raum Blankenburg in Gefangenschaft begeben hatten, kam es von nun an in den Bergen nur noch zu kleineren Einzelgefechten.

21. April 1945 Die Trümmer und Reste einer geschlagenen Armee lagen in den Wäldern verstreut. Von Verpflegung, Bekleidung, Waffen aller Art, Feldküchen, Autos, fahrbaren medizinischen Einrichtungen bis zu Pferden, Motorädern und Fahrrädern fand man alles. Einige Einwohner holten sich aus Richtung Hohnekamm umherirrende Pferde und anderes Wehrmachtsgut.

23. April 1945 Bei solch einem Streifzug durch die Harzwälder, der nicht ungefährlich war gerieten einige Darlingeröder Bauern vorübergehend in amerikanische Gefangenschaft.

8. Mai 1945 Die deutsche Armee kapitulierte! Der Krieg war zu Ende!